Verplantes Leben

Ich habe eine Freundin, die hat ihr gesamtes Leben schon jetzt verplant. Sie ist 25 Jahre alt und äußerst zielorientiert wofür ich sie früher immer sehr bewundert habe. Sie war eine hervorragende Geigerin bis sie 15 Jahre alt wurde. Dann stellte sie sich selbst vor die Entscheidung: Musikerkarriere oder ein sehr gutes Abitur. Für eine 15-jährige finde ich es ein sehr reifes Denken. Ich habe in diesem Alter beispielsweise noch lange nicht ans Abitur gedacht und erst Recht nicht daran, dass eine Musikerkarriere genauso aufgebaut ist, wie die eines Leistungssportlers.

Meine Freundin dachte auch weit genug, als dass sie sich im Klaren war, wie schwierig es sein würde als Musikerin eine steile Karriere hinzulegen und wie eingegrenzt sie außerdem sein würde in ihrer Berufswahl. Also entschied sie sich für ein sehr gutes Abitur zu lernen und die Geige weitestgehend aufzugeben (Schade ums Talent…). Ihr Plan ging natürlich auf, sie machte ein hervorragendes Abi und ging von der Schule direkt an die Uni, um Jura zu studieren. Passend für jemanden, der ganz genau weiß, wo er hin will. Gerade hat sie ihr Staatsexamen hinter sich gebracht.

Sie lebt seit einigen Jahren mit ihrem wesentlich älteren Freund zusammen und hat auch mit ihm sämtliche Zukunftsaussichten durchorganisiert. Z.B. möchte sie drei Kinder vor ihrem 30. Lebensjahr haben, weil sie auf gar keinen Fall eine “alte” Mutter sein möchte. Bei ihr ist das aber nicht nur so eine Idee, wie sie vielleicht jeder von uns mal hat, sondern sie wollte pünktlich zu ihrem Examen schwanger werden. Dann, so rechnete sie mir vor, hat sie nächstes Frühjahr ihr erstes Kind und kann sich für einen Referendariatsplatz bewerben. Da muss man für gewöhnlich ein halbes oder dreiviertel Jahr auf eine freie Stelle warten und diese Monate hätte sie dann frei für ihr Kind. Wenn sie dann die Stelle bekommen hat, möchte sie mit dem zweiten Kind schwanger werden und auf die Zeit genau wenn sie das Referendariat beendet hat möchte sie ihr drittes Kind bekommen haben und kann sich danach auf einen richtigen Job bewerben. Und die freudige Nachricht bekam ich letztens: im April bekommt sie ihr erstes Baby!

Puh! Studenten- und Mutterzeit im Schnelldurchlauf. Da musste ich erstmal durchatmen. Mir macht es auch Spaß mein Leben zu planen. Man MUSS es auch planen, um Ziele vor Augen zu haben, um sich auf etwas zu freuen und um einen persönlichen Sinn im Leben zu sehen. Aber ich finde es gefährlich so detailliert alles zu organisieren. Was, wenn etwas nicht klappt? Sie besteht ihr Examen nicht, oder sie erleidet eine Fehlgeburt. Schicksalsschläge, die jedermann widerfahren könnten, egal wie gut er geplant hat. Aber ich glaube für jemanden, der nur auf diese Karte gesetzt hat ist es wesentlich schlimmer, wenn etwas schief geht. Denn dann muss er sich ja alles noch einmal von vorn überlegen. Außerdem ist die Enttäuschung umso größer.

Was meint ihr? Habt ihr euch schon alles überlegt für die nächsten Jahre?

 

coco

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