Zur Karriere passt kein Prinzentraum

Ich bin eigentlich kein besonders altmodischer Mensch. Aber es gibt da etwas, was ich mir von klein auf wünsche. Dass ich meinen Prinzen finde, ihn heirate und wir ein paar wundervolle Kinder bekommen. Natürlich ein gutbezahlter Job und ein schönes Haus inklusive.

Mein Prinz kam vor ungefähr zweieinhalb Jahren dahergeritten, mit der Heirat und den Kindern lassen wir uns selbstverständlich noch ein bisschen Zeit und wir geben uns alle Mühe mit einer vernünftigen Ausbildung den Grundstein zu einem gutbezahlten Job und dem daraus resultierenden Haus zu legen. Alles schön und gut. Wenn da nicht meine Mutter wäre…

Meine Mutter arbeitet beim Radio. Als sie ihren Prinzen, meinen Vater, gefunden hatte heiratete sie, bekam Kinder und hatte eine halbe Stelle. Damit meine ich, sie hat zwei Tage die Woche gearbeitet. Das reicht um sich ein bisschen Geld zu verdienen, aber nicht um Karriere zu machen, geschweige denn eine Familie zu ernähren. Hauptverdiener war und ist mein Vater der als Arzt im nächsten Krankenhaus arbeitet. Solange meine Mutter ihrer verpassten Karriere nicht nachtrauert ist auch hier alles schön und gut.

Neulich kam sie zu mir und erzählte mir von den Journalisten auf ihrer Arbeit. Das sind kluge und fleißige Menschen und wenn sie Glück haben sind sie so gefragt, dass sie nicht einen Wohnsitz haben, sondern gleich zwei oder drei. Und sie haben nicht einen Prinzen, sondern gleich eine ganze Gauklergruppe in jeder Stadt von denen sie keinen jemals heiraten würden. Ich weiß, dass sie natürlich maßlos übertreibt und verallgemeinert. Dennoch hat es mir zu Bedenken gegeben, bin ich doch auch in einer Branche, in der Karriere zwangsläufig bedeutet, dass man flexibel sein muss und sehr oft unterwegs ist.

Mein Prinz ist aus Frankreich und das erste Jahr pendelten wir zwischen Paris, Berlin, Köln und Salzburg. Inzwischen pendeln wir zwischen Paris, Berlin, Köln und Weimar. Heute hat er sich auf den Weg nach Korea gemacht, um in zwei Wochen zurück nach Weimar zu kommen, während ich dann schon in Köln bin. Wenn ich zurückkomme wird er sich auf eine Reise nach Lateinamerika vorbereiten.

Also wenn ich wüsste, dass dies nur eine kurze Phase wäre, dann wäre alles gut. Aber je erfolgreicher wir sind (und das streben wir nach wie vor an), desto schlimmer wird es. Tja und plötzlich frage ich mich warum man nicht verdammt nochmal in einer Stadt bleiben kann und von dort aus einfach Karriere machen kann. Wann soll man denn da noch Zeit haben den Prinzen zu heiraten oder gar Kinder zu kriegen? Wann soll man da noch Zeit haben überhaupt mit dem Prinzen glücklich zu sein? Wir sind noch glücklich, ja das schon, aber wie lange noch? Ich kenne so viele Beziehungen die daran zerbrochen sind, dass sich die Paare gar nicht mehr gesehen haben, dass sie plötzlich Affairen hatten, in jeder Hauptstadt eine. Wo kommen wir denn da hin?

Ich habe keine Lust mich für das Eine oder das Andere zu entscheiden. Ich habe keine Lust nur eine halbe Stelle zu haben und darauf angewiesen zu sein, dass mein Freund immer unterwegs ist um Geld zu verdienen. Warum kann sich das Arbeitsfeld nicht einfach nur auf eine Stadt beschränken? Das wär vermutlich schrecklich langweilig, aber bezüglich auf meinen altmodischen Traum verfluche ich die Globalisierung der Musikerbranche!

Was meint ihr? Glaubt ihr das alles unter einen Hut zu kriegen?

 

coco

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s